05 · Engineering
Warum niemand mehr sagen kann, wer das eingetragen hat
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Heute
Eine Angehörige ruft an und fragt, ob ihr Vater am Wochenende umgelagert wurde. In der Akte steht ein Häkchen und ein Name.
Die Wohnbereichsleitung möchte wissen, ob der Name stimmt. Das Tablet auf dem Wagen wird von mehreren Kolleginnen benutzt. Wer eingeloggt war, als abgehakt wurde, lässt sich nachträglich nicht mehr feststellen.
Und falls jemand den Eintrag später korrigiert hat, sieht man den korrigierten Stand. Was vorher dort stand und wer es eingetragen hatte, ist nicht mehr da.
Warum das bestehende Modell dieses Problem erzeugt
In den meisten Systemen ist die Unterschrift ein Feld. Die Anwendung weiß, wer angemeldet ist, und schreibt den Namen zusammen mit dem Häkchen in die Zeile.
Daraus folgen zwei Dinge, die erst auffallen, wenn es darauf ankommt.
Erstens behauptet in dieser Konstruktion das Gerät, wer unterschrieben hat. Der Server nimmt die Behauptung entgegen und schreibt sie auf. Er kann sie nicht prüfen, weil er sie nicht selbst getroffen hat. Bei einem Gerät, das im Dienst zwischen mehreren Menschen wandert, ist das keine theoretische Lücke.
Zweitens ist ein Feld ein Feld. Es lässt sich überschreiben. Danach ist die vorherige Aussage nicht falsch, sie ist weg. Auf die Frage, wer ursprünglich abgezeichnet hat, gibt es keine Antwort mehr, sondern nur noch den aktuellen Stand.
Für eine Aufgabenliste ist das in Ordnung. Für einen Nachweis, der Jahre später gelesen wird, ist es das nicht.
Was wir anders entschieden haben
Bei uns bestimmt nicht das Gerät, wer unterschreibt, sondern die angemeldete Sitzung, und zwar im Moment des Speicherns. Wer gerade angemeldet ist, zeichnet ab. Sonst niemand.
Jeder Abschluss hinterlässt zusätzlich einen eigenen Eintrag in der Historie: wer, wann, mit welchem Ergebnis. Dieser Eintrag lässt sich nicht ändern und nicht löschen. Eine Korrektur ist eine neue Aussage, nie das Überschreiben der alten.
Das entspricht dem, was Pflegekräfte von der Papierakte kennen: Man streicht durch und schreibt daneben. Man radiert nicht.
Wie ein Abschluss zum Nachweis wird: Die Pflegekraft tippt Erledigt und bestätigt im Wortlaut. Der Server prüft, wer angemeldet ist, aus der Sitzung und nicht vom Gerät. Dann prüft er, ob diese Person zu diesem Haus gehört und im Dienst aktiv ist. An beiden Prüfungen kann der Vorgang enden; dann bleibt die Maßnahme sichtbar offen. Bestehen beide, entstehen Zustand und Historienzeile in einem Vorgang, zusammen oder gar nicht. Die Historie ist ein Stapel, der nur wächst: eine Korrektur ist eine neue Zeile.
Tipp
Der Tipp sendet nur, welche Maßnahme gemeint ist und mit welchem Ergebnis: wie geplant, mit Abweichung oder nicht durchgeführt, bei Abweichung mit Begründung. Wer abzeichnet, sendet das Gerät nicht mit. Es hat dafür keine Stelle.
Was das verändert
- Systementscheidung
- Die Unterschrift entsteht beim Speichern aus der Sitzung, und jeder Abschluss erzeugt einen unveränderlichen Eintrag in der Historie.
- Technische Konsequenz
- Zustand und Nachweis entstehen zusammen oder gar nicht. Es gibt keinen Zwischenzustand, in dem eine Maßnahme erledigt aussieht und der Nachweis fehlt.
- Im Dienst
- Wer abzeichnet, unterschreibt mit dem eigenen Namen, auch am geteilten Tablet. Und wenn beim Speichern etwas nicht aufgeht, bleibt die Maßnahme sichtbar offen statt still abgehakt.
- Für die Einrichtung
- Die Frage „wer war das?“ hat immer eine Antwort. Bei einer Prüfung ist die Historie vorhanden und nicht rekonstruiert, und eine spätere Korrektur löscht keine frühere Aussage.
Warum sich das nicht nachrüsten lässt
Eine naheliegende Frage lautet: Kann man das nicht später ergänzen, wenn ein Haus es braucht?
Kaum. Wer die Unterschrift zuerst als Feld baut, hat für alle Einträge aus dieser Zeit keine Historie, und sie lässt sich nicht rückwirkend erzeugen.
Nachweisbarkeit ist keine Funktion, die man aktiviert. Sie ist eine Eigenschaft, die Daten von Anfang an haben oder eben nicht.
Das ist der Grund, warum diese Entscheidung unter allem liegt und nicht daneben. Der Assistent, die Übergabe und der Aufgabenplan erben sie, statt sie jeweils neu zu erfinden.
Ohne diese Eigenschaft wäre ein gemeinsamer Arbeitszustand nur eine bequemere Verknüpfung von Daten. Warum es diesen Zustand überhaupt gibt, steht in Warum Dokumentation nicht das Ende der Pflegearbeit sein sollte.